Am Samstag, den 10. Mai 2026, öffnete die Eiho-Ji Zen-Gemeinschaft nach mehreren Tagen intensiver Sesshin-Praxis ihre Türen für Neugierige, FreundInnen und Familien zur Feier von Buddhas Geburtstag.
Das Vesakh-Fest gilt als der höchste Feiertag des Buddhismus. Es erinnert nicht nur an die Geburt Siddhartha Gautamas, sondern auch an seinen Weg als Menschen zur Erleuchtung.
Wer an diesem Tag den Tempel betrat, trat in einen Raum ein, getragen von Präsenz, Stille und Gemeinschaft. Die Sangha, die Gemeinschaft der Praktizierenden, wuchs an diesem Tag um etwa 40 Gäste.
Bereits zu Beginn wurde der Geist des Zen beim gemeinsamen Rezitieren der Sutren erfahrbar. Die Grenzen zwischen Ich und Du schienen durchlässiger zu werden, während der Klang der Sutrenrezitation den Raum erfüllte. Zeitgleich fand die Buddhataufe statt, bei der eine kleine Statue auch von den jüngsten Gästen mit Blumenwasser übergossen wurde. Eine symbolische Reinigung auch für unsere Besucher und zugleich eine Erinnerung an die Bedeutung des Wortes „Buddha“: Wach auf.
Buddhas Geburtstag zu feiern bedeutet daher nicht nur, an die Erleuchtung Siddharthas vor über 2500 Jahren zu erinnern, sondern auch an die Möglichkeit jedes Menschen, in jedem Augenblick neu zu erwachen.
Im Anschluss führte Kigan die BesucherInnen in die Sitzmeditation ein. Nach einer kurzen Anleitung saßen langjährige Praktizierende und Gäste gemeinsam im Zendo in Stille, eingeleitet durch den Klang einer Glocke. Fünfzehn Minuten lang wurden Atem und Gedanken beobachtet, wie Wolken die vor einem klaren Himmel vorüberziehen. Mit dem erneuten Glockenschlag kehrte die Gemeinschaft zurück, und das Klacken des Holzes auf dem Boden kündigte Kinhin an, das achtsame Gehen. Die Aufmerksamkeit ruhte dabei ganz auf dem jeweiligen Schritt und dem Kontakt zum Boden, nur dieser Moment zählte. Nach einer Runde durch den Raum folgte eine weitere kurze Sitzeinheit.
Danach erfüllten besondere Klänge den Tempelraum. Dokuho und Michael improvisierten auf Shakuhachi und Querflöte. Es entstand ein Dialog, der zu einem Duett verschmolz, bis er in einen Gleichklang mündete.
Auch die Ikebana-Vorführung von Kangetsu machte sichtbar, dass Zen über die Praxis der Meditation hinausreicht. Zweige, Blüten, Linien, Leere und Raum traten in Beziehung zueinander; schlicht und zugleich voller Ausdruck.
Den Abschluss bildete ein Vortrag von Dokuho, der dazu einlud, tiefer in die Geschichte und den Weg der Praxis einzutauchen. Dabei blieb eine Frage offen im Raum stehen: Ist Zen Religion oder Philosophie?
Vielleicht liegt es in der Natur des menschlichen Verstandes, die Welt in Gegensätze und Begriffe einzuordnen, in entweder oder. Doch Zen verweist möglicherweise gerade auf das, was sich solchen Einteilungen entzieht: etwas, das nicht vollständig gedacht oder benannt werden kann, sondern nur in der unmittelbaren Erfahrung der eigenen Praxis begegnet.
Wer diesen Weg selbst erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, an einem Zenabend der Eiho-Ji Zen-Gemeinschaft teilzunehmen.
Von: Seiwa