4. – 14. April 2026
Ankunft in Osaka und erster Tempelbesuch
Gerade erst sind wir von unserer großen Zen-Reise nach Japan zurückgekommen, bei der wir mit unserer Zen-Gemeinschaft besondere buddhistische Berge und Tempel besuchten – bis hin zum Rinzai-Zen Ordenskloster Eigen-ji, dem „Tempel des ewigen Ursprungs“.


Zu Beginn wurden wir gleich nach der Ankunft am Flughafen in Osaka von unserem Meister Yasusada Seki abgeholt, der auch den Bus chauffierte, unseren „Nirvana Bus“. Yasan ist ein wahrhafter „Master of mind and matter“, wie er den großen Bus auch durch die engsten Gassen manövrierte und uns unbeschadet bis auf die heiligen Berge brachte – und das mit einer Unerschrockenheit und Gelassenheit, die seinesgleichen sucht!
Ebenfalls begleitet und umsorgt wurden wir von Misayo Kawashima – die Planung der gesamten Reise bis zur Auswahl der großartigen Restaurants, die uns die verschiedensten Geschmäcker Japans erfahren ließen und näher brachten, lag in ihrer Hand.
Kokawa-dera und Koya San
Der erste Tempel, den wir besuchten, war der Kokawa-dera Tempel, gegründet im Jahr 770. Das Besondere an diesem Tempel ist, dass er in seiner langen Tradition verschiedenen Richtungen des japanischen Buddhismus angehörte: Tendai, Shugendo und jetzt der Shingon Schule. Bis heute befinden sich in der Tempelanlage zwei Religionen gleichzeitig, so steht auf dem Gelände dieses Tempels auch ein aktiver Shinto Schrein. Hier konnten wir an einer Zeremonie der Dankbarkeit für die Natur teilnehmen, denn im Shintoismus gibt es keine heiligen Schriften, sondern die Natur selbst ist Gott und lehrt uns – eine tiefe Erfahrung, gleich am Anfang unserer Reise.


So gestärkt fuhren wir weiter zum heiligen Berg Koya San, dem Hauptsitz des Shingon Buddhismus. Wir konnten direkt im Tempel Sekishuin übernachten und am Morgen bei der „Goma daki Zeremonie“, einer rituellen Feuerzeremonie, teilnehmen.
Danach pilgerten wir zu dem bekannten Okunoin Friedhof, wo die Grabstätte des Gründers des Shingon Buddhismus, Kōbō Daishi, liegt. Hier finden sich neben den Gräbern der großen Samurai Fürsten Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi auch solche von bekannten Firmen wie beispielsweise Panasonic, die Grabstätten für ihre MitarbeiterInnen errichten ließen.
Ise Jingu und Miho Museum
Weiter führte unser Weg zum heiligsten Shinto Schrein Japans, dem berühmten Großschrein von Ise (Ise Jingu). Er ist der Amaterasu-ō-mi-kami („Große erhabene Gottheit, die den Himmel erleuchtet“) gewidmet, die als direkte Urahnin des japanischen Kaiserhauses gilt.



Die Schrein-Anlage ist ein weitläufiger Park mit verschiedenen religiösen Stätten und wundervollen, in den Himmel ragend Bäumen, die als heilig gelten. Den BesucherInnen ist es nicht erlaubt, ins Innerste des Schreins vorzudringen, aber wir beobachteten eine Zeremonie mit einem Shinto Priester, bei der MitarbeiterInnen einer Firma ein Stück weiter ins Innere gehen durften. Auf unsere Nachfrage, was es damit auf sich habe, erhielten wir die Antwort: „Die Firma wollten sich einfach nur bedanken.“ Es war also keine Veranstaltung, um die MitarbeiterInnen zu motivieren, mehr Gewinn zu machen, wie man es vielleicht erwarten würde, sondern einfach ein Zeichen der Dankbarkeit!
Von der heiligen Stätte in Ise an der Pazifikküste brachte unser Doshi „Wegweiser“ Yasan uns in die Nähe des größten Sees Japans, den „Lake Biwako“ in der Shiga Präfektur. Auf halber Strecke besuchten wir in den Bergen von Shigaraki das Miho Museum. Gegründet von einer neo-shintoistischen Sekte, wurde es von dem weltberühmten Architekten I.M. Pei entworfen (der auch die Glaspyramide des Louvre gestaltete) und ist für seine harmonische Verbindung von Kunst und Natur bekannt. Besonders beeindruckend war die „Gandhara Buddha“ Ausstellung: Hier wurden die allerersten Buddha Statuen, die von griechischen Künstlern zu Beginn unserer Zeitrechnung in der Gegend des heutigen Afghanistan angefertigt wurden, ausgestellt.
Ankunft im Eigen-ji Orden
Nicht weit vom Biwako See liegt unser Rinzai-Zen Ordenskloster Eigen-ji, von dem unser Eiho-Ji Zen-Tempel in München-Dornach die offiziellen Auslandsrepräsentanz ist. Gleich nach unserer Ankunft wurden wir vom Vize-Abt in seinem privaten Tempel Kofuku-ji zur Macha Teezeremonie eingeladen. Er öffnete für uns sogar den Schrein einer Kannon Statue, die normalerweise nur alle 50 Jahre gezeigt wird.


Auch die Priester von Sogen-ji und Kogen-ji hießen uns herzlich willkommen. Ein Teil der Gruppe durfte im Sogen-ji Tempel von Yasusada Seki übernachten, die anderen im Kogen-ji. Beide Tempel sind Haupttempel des Eigen-ji Rinzai-Zen Ordens, wo ich mit 25 Jahren als Mönch aufgenommen und später zusammen mit Yasan zum Zen-Priester geweiht wurde.
Buddhas Geburtstag im Eigen-ji Kloster
Dort, im Eigen-ji Rinzai-Zen Kloster, nahmen wir am 8. April an der Zeremonie zu Ehren Buddhas Geburtstag teil. Die Feier war schlicht und mit großer Tiefe, wie es im Zen Tradition ist.



Der Abt des Klosters lud uns anschließend zu einer Zen Teezeremonie ein – ohne Worte, ohne Schweigen, die Luft voll dichter Energie – und danach durften wir sogar in der Zen-Halle des Klosters meditieren.
Am Abend genossen wir in einer Gaststätte, die uns mit ihren offenen Feuerstellen in die Vergangenheit versetzte, ein köstliches Mahl, und danach konnten wir uns in den heißen Quellen des Eigen-ji Onsen wärmen.
Za-Zen, Shakkyo und Pilgerweg
Am nächsten Tag ging es wieder über die steilen Steintreppen hinauf ins Kloster zum „Za-Zen“, der Zen-Meditation, und auch zum Kalligraphieren eines buddhistischen Textes (Shakkyo), das ebenso eine Zen Praxis ist. Anschließend begannen wir einen kleinen Pilgerweg (Junrei) hinauf zu einem Bergtempel, dem Komyo-ji, wo wir wieder herzlich vom dortigen Priester empfangen wurden.
An diesem Abend saßen wir gemütlich im Sogen-ji Tempel zusammen, aßen und tranken und jeder sprach über seinen Weg zum Zen und was ihn berührte. Auch die anwesenden Priester teilten mit uns ihren Weg zum Zen, der Komyo-ji Priester etwa sprach über die Klarheit der Sinne: Wie wir in einem kurzen Moment unmittelbar das leuchtende Sein erfahren können; immer wieder, oft nur für einen kurzen Augenblick. Es war ein überaus stimmiger Abschluss unserer Tage im Zen-Tempel und Zen-Kloster!
Nara: Kōfuku-ji und Todai-ji
Die Reise ging weiter nach Nara, der alten Kaiserstadt Japans, wo wir als erstes den Kōfuku-ji Tempel besuchten. Gegründet 710 ist er einer der Haupttempel der Hosso Schule des frühen japanischen Nara Buddhismus.

Am nächsten Morgen erforschten wir den imposanten „Todai-ji“ mit dem Großen Buddha. Die Haupthalle gilt als das größte rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt. Durch den Nara Park, der sich um den Tempel herum erstreckt, gingen wir ergriffen und besinnlich zusammen mit frei laufenden Hirschen, die sich immer wieder vor uns verbeugten, und übten das Bodhisattva QiGong.
Yoshimine Dera und Ankunft in Kyoto
Auf unserem Weg nach Kyoto hielten wir an einem versteckten Tempel in den Bergen an, dem „Yoshimine Dera“ Tempel. Von seinen Anhöhen aus konnten wir auf unglaublich schöne Kirschbäume in voller Blüte und, wie ein fernes Paradies, auf die Stadt Kyoto, blicken. Das anschließende Mittagessen mit verschiedensten Gerichten aus jungem Bambus, brachte neue Geschmacksimpulse für unsere überrascht erfreuten Gaumen.

In Kyoto angekommen, erwartete uns ein 12-gängiges Abendessen im Ganko Takasegawa Nijoen, das nicht nur kulinarisch ein ganz besonderes Erlebnis darstellte, sondern auch von der Location her sehr speziell war, da sich das Restaurant in einem historischen Handelshaus aus dem 17. Jahrhundert und inmitten eines 400 Jahre alten Gartens befand.
Ginkaku-ji, Hiei-zan und Kinkaku-ji
Am nächsten Morgen ging es früh auf in den silbernen Tempel, den Ginkaku-ji, ein weltberühmter Zen-Tempel, der Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist.



Bereichert von der klaren Energie des Tempels erklommen wir mit unserem Nirvana Bus den buddhistischen Berg „Hiei Zan“. Er gilt als die Geburtsstätte des neuen japanischen Buddhismus.
Auf diesem Berg über Kyoto studierten die Gründer der großen japanischen Religionen, wie Rinzai- und Soto-Zen, Shingon, oder auch Jodo Shu, den Buddhismus.
Das nächste Highlight wartete am folgenden Tag in Form des Kinkaku-ji Tempels (Goldener Pavillon) auf uns. Er ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Japans und zählt ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Direkt in der Nähe des Goldenen Pavillons konnten wir wieder ein Essen genießen, das so einzigartig wie hervorragend war: Alle Speisen wurden mit Gyokuro Sencha (grünem Tee) von höchster Qualität zubereitet und auf mehreren Etagen (zu essen von oben nach unten, wie uns auf Nachfrage mitgeteilt wurde) wie ein wahres Kunstwerk angerichtet.
Kennin-ji: das älteste Rinzai-Zen-Kloster
Die folgende Station war das älteste Rinzai-Zen-Kloster, das Kennin-ji in Kyoto. Da Yasan dort immer noch als Mönch praktiziert, wurden wir äußerst herzlich empfangen und ein Priester des Ordens erklärte uns in einem sehr privaten Rahmen und mit tiefer innerer Begeisterung die Kunstwerke, Gebäude und die Geschichte des Klosters. Speziell das Gemälde von Fujin und Raijin, zwei zentralen Wettergöttern Japans, beeindruckte uns sehr. Das Werk zeigt die beiden Götter auf Blattgold. Fujin (風神), der Windgott, wird oft mit einem großen Sack Wind dargestellt; Raijin (雷神), der Donnergott oft mit Hämmern, mit denen er auf Trommeln klopft, um Donner zu erzeugen.




Später im Klostergarten folgten wir Yasan hinter eine Absperrung bis zu einem Tor am Ende des Weges. Dort wartete der oberste aufsichtshabende Mönch und verneigte sich. Ohne es vorher zu wissen, wurde unsere Gemeinschaft in die Mönchsquartiere des ältesten Rinzai-Zen-Klosters gebeten. Wir durfte sogar in der „Zen-Halle der großen Erleuchtung“ meditieren und die tiefe Energie des Klosters erfahren. Nach der Zen-Meditation lud uns der Abt und Zen-Meister des Kennin-ji-Klosters zu einer Zen-Teezeremonie ein. Er sprach angeregt mit uns, zeigte sich sehr informiert, auch über aktuelle Themen, und zum Abschluss der Audienz bat er lächelnd: „Bitte folgt uns auf Instagram!“
Zen-Bilder im Wandel
So wie bei dieser Gelegenheit wurden im Laufe der Reise immer wieder nicht nur unsere Vorstellungen von Meistern und Mönchen auf den Kopf gestellt, sondern durch die vielen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Zen-Priestern und Meistern und ihren verschiedenen Zugängen zu Zen, auch unsere Konzepte vom Zen.
In den Klöstern selbst ging es bei den Treffen mit den Zen-Meistern sehr offiziell zu. Wenn wir aber mit den Priestern privat in ihren Tempel beisammen waren, oder sie zum Abendessen trafen, war alles ganz locker und auch lustig.
Im Westen ist das Bild des Zen jedoch vor allem geprägt von strengen Zen-Meditationstagen oder -wochen. Und tatsächlich ist auch in Japan in den Zen-Klöstern eine sehr strikte Form vorgegeben. Bei der Zeremonie zum Geburtstag Buddhas zum Beispiel erlebten wir die klaren Formen und die Ästhetik des Zen, der Priester erscheint wie ein Phönix. Außerhalb der Klostermauern aber sind die Meister, Priester und Mönche ganz einfache Menschen. Mehr noch: Wenn sie auf dem Feld arbeiten, werden sie zu Gemüse, bei einer privaten Feier werden sie zu Fisch und Sake, das heißt, sie verschmelzen und verändern sich mit der jeweiligen Situation.
Und auch uns begegneten in Japan die Stille und Strenge der Meditation, aber auch die Herzlichkeit und Offenheit im Alltag.
Abschluss in Kyoto
Am letzten Tag schlenderten wir noch durch die Altstadt von Kyoto (Higashiyama) hinauf zum Kiyomizu-dera-Tempel (Tempel des reinen Wassers). Er ist besonders bekannt für seine riesige Holzterrasse, die ohne einen einzigen Nagel erbaut wurde und einen spektakulären Blick über Kyoto bietet.

Und unseren letzten Abend verbrachten wir alle zusammen mit Yasan und einem chinesischen Maler-Freund, in eine Karaoke-Box mit einer zimmergroßen Leinwand – so wie es in Japan ja sehr populär ist. Anfangs waren wir Westler etwas zurückhaltend, doch schnell überwog die Freude am Singen (wahrscheinlich auch, weil es nicht immer ganz ernst und notentreffsicher zuging…) und mit viel Inbrunst schmetterten wir die Songs aus früheren Zeiten. So haben wir Japan singend und lachend verabschiedet.
Ich habe während der Dauer unseres Aufenthalts in Japan möglichst wenig darüber gesagt, was wir als Nächstes tun werden oder wen wir treffen. Mir war es wichtig, das „Herz des Kindes“ (Akambo no Kokoro) zu bewahren, wie man im Zen sagt, also in eine Situation zu gehen, ohne sich im Vorhinein ein Bild oder Konzept davon zu machen.
Wir neigen im Westen dazu, immer alles einteilen zu wollen, in Gut und Schlecht, in Mögen und Nicht-mögen.
Mein Zen-Meister Yamada Bunryo Roshi sagte oft: Das Herz der Herz Sutra „Hannya Shin Gyo no Kokoro“ ist: „Nicht einseitig, nicht voreingenommen, weder anhaften, noch ablehnen.“
In diesem Sinne möge diese Reise, neben all den wunderbaren Eindrücken, die Japan, seine Tempel und Küche zu bieten hatten, auch eine Erweiterung und Bereicherung unserer Zen Praxis bewirkt haben.