Die erste Hemmschwelle überwinden, die ersten Schritte im Zen

Von Außen wirkt Zen manchmal wie ein Weg der großen Ziele. Da werden vermeintlich Erleuchtung, Freiheit, Stille und Einsicht angestrebt. Dabei macht es uns die vorherrschende Leistungsgesellschaft nicht leichter, indem sie in uns das Bild „schneller höher weiter“ prägt und zur Selbstoptimierung antreibt. 

Doch Zen beginnt genau dort, wo wir „ich will“ loslassen. 

Viele Menschen, die zum ersten Mal ein Zendo betreten, berichten ähnliches: Die Form ist streng, die Abläufe sehr präzise, es herrscht wenig Kommunikation und alles ist durch hörbare Signale getaktet, die Stille wirkt schnell „unbewohnt“ und das Sitzen kann ungemütlich werden. Das kann zu innerer Verstrickung, Unsicherheit oder Bewertung führen. 

Ja, im Rinzai Zen wird Wert auf klare Formen gelegt: Zazen (Sitzmeditation), Kinhin (Gehmeditation), Gasshou, Verbeugungen, Samu (Alltagsarbeit) und Sutra Rezitation.

Erst, wenn diese Abläufe durch regelmäßiges Üben in die eigene Natur über gehen zeigt sich, warum sie als Mittel und nicht als Dogma so wertvoll sind. 

Formen (Körper oder Abläufe) sind wichtig, da sie als Brücke und Anker dienen für Raum und Präsenz. Leere allein als formlose Freiheit macht nicht frei und ist nicht das Ende des Weges. Es ist die Form, die uns durch das Leben trägt und den Geist stabil hält. 

Die Zen Praxis eint beides, Leere und Form: Wenn wir sitzen, sitzen wir. Wenn wir gehen, gehen wir. Wenn wir zuhören, hören wir zu. Wenn wir arbeiten, arbeiten wir. 

Zen tut genau das, wovon viele sich im Alltag fernhalten. Es hält uns den Spiegel vor und lässt uns Schicht für Schicht abtragen und geht noch weiter, es wirft uns zurück auf die Essenz. Ohne Flucht, ohne Ablenkung und meist ohne schnellen Erfolg. Fehler sind auf dem Weg unausweichlich, sie sind sogar willkommen und das Material aus dem Klarheit entsteht.

Was bleibt sind Körper, Atem, Haltung und zuletzt das, was man wirklich ist.

Es klingt Paradox, doch wer sich der Praxis hingibt merkt, es entsteht Raum wo das Wollen fällt. Wenn das Ego schweigt, entsteht Stille und wenn das Ich sich lockert, zeigt sich die Natur. Und dann sind wir. 

Hier ist eine kleine Übung für dich: 

  • Nimm einen tiefen Atemzug in den Unterbauch und beobachte, wie die Luft sich in deine Lunge füllt.
  • Mit der Ausatmung lässt du den Atem ganz natürlich durch die Nasenlöcher fließen.
  • Lass deinen Körper mit der Ausatmung weich werden, durchlässig, unangestrengt.

So beginnt Zen nicht im Tempel, sondern hier, jetzt bei dir. 

Lisa

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