Der Sinn des Sinnlosen

Jedes Jahr im Herbst das Gleiche – kaum hat man das Laub mühsam im Garten entsorgt, liegen ein paar Tage später Laub auf den Rasen und der Straße.

Sinnvoll oder Sinnlos – eine Frage, die ich mich nicht nur beim Laub sammeln stelle, sondern bei vielen alltäglichen wiederkehrenden Aufgaben.

Das Sinnlose verfolgt kein Ziel, sondern führt uns ins reine Da-seins. Was auf den ersten Blick als „sinnlos“ erscheint, wie z. B. Laub sammeln, Boden kehren oder selbst das Atmen, erfüllt gerade in dieser Zwecklosigkeit den tiefen Sinn:

Die Rückkehr in die Gegenwart, in das Hier und Jetzt. Es ist einfach.

Oder wie es Meister Ryokan sagt:

Was ich tue, hat keinen Nutzen –
Und gerade darin liegt mein Frieden.“

Wo ist Buddha?

Die zentrale Bestrebung der buddhistischen Lehre ist es, alle Wesen – menschliche wie nichtmenschliche – vom Leiden zu befreien.

Dieser Weg der Befreiung führt über die Erkenntnis der Leerheit der Skandhas, jener Bestandteile, aus denen das scheinbar feste „Ich“ gewoben ist.

Doch was sind diese fünf Skandhas?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des gestrigen Lehrgesprächs beim Zen-Übungsabend im ZenHaus Dornach.
Dokuho J. Meindl erläuterte die fünf Attribute, wie sie im Hannya Shingyo – dem Herz-Sutra – beschrieben werden:

  • Form (Shiki): Jede materielle Gestalt, die sichtbare, erfahrbare, phänomenale Welt.
  • Wahrnehmung (Ju): Alles, was durch die Sinne empfangen wird.
  • Vorstellung (So): Aus Wahrnehmung und Bewusstsein entstehen Bilder, Konzepte und Gedankenformen.
  • Willenstätigkeit (Gyo): Auf Grundlage von Wahrnehmung und Vorstellung erwachen Absicht, Entschluss und Handeln.
  • Bewusstsein (Shiki): Das allumfassende Gewahrsein, das alles miteinander verbindet.

Diese fünf Skandhas bilden das geistige und körperliche Leben aller Wesen, die sich mit der sinnlichen und materiellen Welt identifizieren.
Doch gerade diese Identifikation – das Festhalten oder Ablehnen der Erscheinungen – gebiert Leid.

Und in all dem – wo ist Buddha?

Dokuho erinnerte uns daran, dass das Wesentliche, unsere Buddhanatur, nicht im Äußeren zu finden ist.

Form, Wahrnehmung und Handlung sind in ihrem innersten Wesen leer (Ku) – ohne bleibende Substanz, vergänglich, wie es das Herz-Sutra lehrt.

Befreiung vom Leid beginnt nicht im intellektuellen Spekulieren, sondern im Erleben dieser tiefen Wahrheit.

Zu den Zen Übungsabenden

Artikel in der Süddeutschen Zeitung über einen ZenHaus Besuch mit Zen-Meditation und Zen-Klausur

Zen Meditation: Gelebte Praxis im ZenHaus

Im Eiho-Ji Zen Tempel in München (ZenHaus Dornach) zeigt sich Zen nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis – Zen-Meditation im Sitzen (Zazen), im Gehen (Kinhin), in der Teezeremonie und in achtsam ausgeführter Bewegung.


Ein Moment kann eine Sekunde dauern – oder 40 Millionen Jahre.
Zenmeister Yasusada Seki Dōshi

Die Zen Meditation im ZenHaus München lädt mit regelmäßigen Kursen und Zen-Veranstaltungen dazu ein, den Augenblick ohne Konzept zu erleben: gegenwärtig, klar und still. Und dies zu erlernen.

„Wenn ich kehre, werde ich zum Besen“

Zen Meditation (Zazen) ist die einfache, aber radikale Übung, im Jetzt anzukommen und zu verweilen. Ohne Ablenkung, ohne Ziele, ohne Erwartungen. Es geht beim Zen nicht um „Genuss“, sondern um die Akzeptanz dessen, was jetzt gerade ist.

Diese Haltung kann eingeübt werden, und sie kann den Alltag transparenter machen: Kehren, Schneiden, Tee einschenken – jedes Tun wird zu einem Übungsweg.

Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung über einen Besuch im ZenHaus in Dornach, zum damals dreijährigen Bestehen und zu einer Klausur-
woche mit Zenmeister Yasusada Seki Dōshi, war betitelt mit „Wenn ich kehre, werde ich zum Besen“ (SZ, Claudia Wessel, 5. April 2013).

Artikel in der Süddeutschen Zeitung über einen ZenHaus Besuch mit Zen-Meditation und Zen-Klausur
Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom April 2013 zum dreijährigen Bestehen

Zen Praxis in München: Im ZenHaus Dornach

Das ZenHaus München-Dornach, geführt von Dokuho J. Meindl, ist ein Ort für Zen Meditation in München. Hier kommen östliche Praxis und bayerischer Alltag zusammen. Regelmäßige Zen-Kurse und Zen-Veranstaltungen wie Zazen, Kinhin und Teezeremonie strukturieren die Woche (» zu den aktuellen Terminen). Langjährige Verbindungen zu japanischen Lehrern – etwa zu Zenmeister Yasusada Seki Dōshi – prägen den authentischen, ruhigen Stil des Hauses.

Konzepte mal loslassen – offen für das, was geschieht

Wer ohne vorgefertigten Plan übt, bleibt offen für das, was sich im nächsten Atemzug zeigt. Zen lädt dazu ein, Konzepte und große Ziele loszulassen. So wird Zen Meditation in München zu einer Praxis, die trägt – in stillen Momenten wie in herausfordernden Zeiten.

Zen-Meditation Praxis: So kannst du beginnen

  • Offene Abende mit Zazen und Teezeremonie (Einführung für Einsteiger:innen möglich)
  • Klausur- und Übungstage mit Zazen, Kinhin und stillen Phasen
  • Qigong-Kurse zur Vertiefung von Atem, Haltung und Präsenz

Wer Offenheit einüben und Zen Meditation erlernen möchte, findet im ZenHaus Dornach einen klaren, unaufgeregten Rahmen, um regelmäßig zu üben – allein, gemeinsam, im Rhythmus des Alltags.

Zen-Meditation: Im Hier und Jetzt ankommen lernen

Zen Meditation bedeutet: im Hier und Jetzt ankommen. Nicht mehr, nicht weniger.

Wer still sitzt, achtsam geht und einfache Handlungen bewusst ausführt, entdeckt die Weite des Moments .

Diese Gelegenheit bietet sich Einsteigern wie Fortgeschrittenen am Ostrand von München, im Eiho-ji Rinzai-Zen Tempel im ZenHaus Dornach.

Hier die aktuellen Termine. Willkommen im ZenHaus München!

Zur Startseite: Eiho-ji Rinzai-Zen Tempel

Zen Pilgern

Wieder einmal ging unsere Zen Gemeinschaft aus München zum pilgern. Unser Pilgertag findet nun schon viele Jahre statt.

Er ist eine Möglichkeit für alle, die Zen in München bei uns praktizieren, sich außerhalb der strengen Zen Meditation zu treffen, sich noch besser kennen zu lernen und gemeinsam auf dem Weg zu üben.

Pilgertag 2025

Ob es einfach nur ein Gespräch ist mit den anderen Praktizierenden ist, oder mit einem Reinigung Mantra und der Schärfung unseres Sinne, ganz wach auf dem Weg zu sein. 

Unsere Zen Gemeinschaft in München existiert nun schon seit fast 35 Jahren und es ist uns eine große Freude, im September wieder unseren Zen-Meister hier bei uns im Rinzai-Zen Tempel Eihoji willkommen zu heißen, der uns seit der Gründung unserer Zen Gemeinde begleitet.

Zen Meditation in Rinzai Zen Tempel

Zen-Meditation: Der Weg zur inneren Klarheit

Der Begriff Zen (chin. Chan) ist abgeleitet vom Sanskrit-Wort Dhyana, was soviel bedeutet wie “Versenkung” oder “Sammlung des Geistes”. Daraus wird bereits deutlich, dass die Meditation die zentrale Praxis des Zen-Buddhismus ist. Zentrales Anliegen der Zen-Meditation ist die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks und des gegenwärtigen Bewusstseins (“Erwachen”/“Satori”).

Zen-Meditation ist dabei keine Technik, die man wie ein Werkzeug nur bei Bedarf hervorholt und nach Gebrauch wieder weglegt. Sie ist vielmehr eine Geisteshaltung, die uns lehrt, jeden Moment bewusst und klar wahrzunehmen und unser ganzes Herz in jedem einzelnen Augenblick in das hineinzugeben, was wir gerade tun. Diese umfassende Sichtweise macht Zen zu einer praktischen Geisteshaltung, die uns hilft, inmitten der täglichen Herausforderungen zu unserem wahren Selbst zu finden.

In der westlichen Welt wird Zen-Meditation häufig mit der Sitz-Meditation (Zazen) gleichgesetzt. Doch die Praxis des Zen, wie wir sie auch im Eiho-Ji Tempel in der Tradition der Rinzai Klosters Eigen-Ji, Japan, praktizieren, geht darüber hinaus und durchdringt alle Bereiche des Lebens.

Zen-Meditation umfasst dabei die folgenden Säulen der Praxis:

Zen-Meditation – Säulen der Praxis

Zazen

Im Herzen der Zen-Meditation steht Zazen, das aufrechte Sitzen in Stille. Hier üben wir, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen und einfach präsent zu sein. Wir sitzen im Lotus/Halblotus oder mit gekreuzten Beinen (burmesische Sitzhaltung) mit aufrechter Wirbelsäule, Kinn leicht eingezogen und halten die Hände zum Mudra geformt (linke Hand auf der Rechten, die Daumen berühren sich leicht) auf Höhe des Bauchnabels. Die Augen sind halb geöffnet und etwa einen Meter vor sich auf den Boden gerichtet. Dabei atmen wir in den Unterbauch-Beckenraum (Hara-Atmung) und zählen den Ausatem (Su Soku Kan) von eins bis zehn, danach beginnen wir von vorn. Auch kann man mit dem Zählen des Ausatmens von eins beginnend bis zum Ende der Meditationszeit fortfahren. Gedanken, die kommen, lassen wir ziehen wie Wolken, ohne sie zu verfolgen oder zu bewerten. Die klare Körperhaltung und die fokussierte Atmung werden dadurch zum Anker unserer Aufmerksamkeit.

Zen Meditation in Rinzai Zen Tempel

Gehmeditation

Die Gehmeditation (Kinhin) ergänzt das Sitzen auf natürliche Weise. In langsamen oder auch schnellen, aber stets bewussten Schritten üben wir, die achtsame Haltung des Zazen in die Bewegung zu übertragen. Unsere ganze Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf die Abfolge jedes einzelnen Schrittes.

Rezitation von Sutren

Auch die Rezitation von Sutren ist eine Form der Zen-Meditation. Wichtig ist es, so viele Silben wie möglich in einem Ausatem zu rezitieren. Dadurch wird der Atem reguliert und der Geist geleert. Wir rezitieren die Sutren aus vollem Herzen – rezitieren, nur um zu rezitieren.

Essen und Trinken

In diesem Sinne wird auch das Essen und Trinken zum Teil der Zen-Meditation. Beim Trinken einer Tasse Tee geht es beispielsweise darum, unsere Aufmerksamkeit voll und ganz auf das Ergreifen der Tasse zu richten und den Tee in achtsamen Schlucken zu trinken. Hier wird die achtsame Geisteshaltung des Zazen in die aktive Tätigkeit des Essens und Trinkens übertragen.

Samu

Besonderen Ausdruck findet diese Übertragung der achtsamen Geisteshaltung auf aktive Tätigkeiten im Samu, der Alltagsübung im Zen. Dabei werden alle unsere Tätigkeiten zum Zen, egal ob es darum geht, den Garten zu pflegen, Räume zu reinigen, Essen zuzubereiten oder Geschirr zu spülen. Bei Samu geht es darum, eins zu werden mit der Tätigkeit, die wir verrichten, und unsere alltäglichen Aufgaben mit voller Präsenz auszuführen. Die Prinzipien der Zen-Meditation lassen sich damit nahtlos auch in unseren modernen Alltag integrieren.


Zen ist kein Weg der schnellen Erfolge und es geht nicht darum, Zen-Meditation zu betreiben, um etwas zu erreichen (etwa Gelassenheit, weniger Stress etc.). Zen ist vielmehr eine lebenslange Entdeckungsreise zu uns selbst und unserer wahren Natur.

Der wichtigste Grundsatz im Zen ist, dass Buddha und wir eins sind. Buddhas Herz ist gleich unserem Herz. Wir schlafen, wachen auf, essen und arbeiten mit dem Buddha-Geist.

Im Eiho-Ji Tempel beschreiten wir diesen Weg gemeinsam und laden alle zu unseren Veranstaltungen ein, die diesen Weg mitgehen wollen. Zu unseren Terminen der Zen-Meditation.


Zeremonie im Rinzai Zen Tempel in Dornach bei München

Buddhas Geburtstag – Feier im Rinzai Zen Tempel

Am Sonntag, den 11. Mai hatte die Eiho-Ji Zen-Gemeinde zur Feier von Buddhas Geburtstag eingeladen.

Mehr als 30 Besucherinnen und Besucher, darunter auch einige Kinder, nahmen an den Veranstaltungen im Rinzai Zen Tempel in Dornach teil. Dort konnten sie interessante und inspirierende Einblicke in die Welt des Zen-Buddhismus gewinnen.

Geboten wurde ein vielfältiges Programm:

Zunächst zelebrierten Angehörige der Gemeinde zusammen mit den Besuchern eine feierliche Zeremonie zu Ehren des Religionsstifters.

Fernöstliche Instrumente wurden gespielt, Sutren rezitiert – und jeder durfte eine kleine Buddha-Figur am Altar mit Wasser taufen. Nicht nur für die Jüngsten eine spannende Erfahrung.

Anschließend hatten Interessierte die Möglichkeit, ein wenig in die Praxis der Zen-Meditation „hineinzuschnuppern“. Immerhin ist das Sich-Versenken in der Sitzmeditation ein zentrales Merkmal des Zen-Buddhismus.

Fast alle wollten dabei sein, im Zendo war kaum genug Platz für die Teilnehmer – von den Kindern bis zu den Senioren –, die auf Sitzkissen, Bänkchen und Hockern Platz genommen hatten. Nach einer kurzen Einführung meditierten die Teilnehmer zweimal 15 Minuten im Sitzen, unterbrochen von einer Gehmeditation. Bemerkenswert war, wie intensiv sie in die Versenkung abtauchten, jeder war konzentriert dabei, es blieb die ganze Zeit mucksmäuschenstill.

Danach konnten die Besucher eine Vorführung von Ikebana verfolgen, der traditionellen japanischen Blumensteckkunst. Gebannt beobachteten sie, wie ein Mitglied der Zen-Gemeinde und langjährig geübt in dieser Kunst, Zweige und Blumenstängel zurechtschnitt und sorgfältig in einem Gefäß arrangierte. Dabei erklärte er Hintergründe und Aufbau seiner Komposition und gab wissenswerte Infos zu Ikebana. Dass das Interesse groß war, zeigten nicht zuletzt die vielen Nachfragen am Ende der Präsentation.

Weiter auf dem Programm stand eine japanische Teezeremonie – ein sorgfältig orchestriertes Ritual, das in seiner achtsamen Konzentration auf den Moment dem Zen nahesteht. Auch hier waren die Besucher voller Aufmerksamkeit dabei.

Den Nachmittag beschloss ein Vortrag von Dokuho, Priester des Eiho-Ji Zen Tempels, über den Zen-Buddhismus.

Er gab einen kurzen historischen Überblick vom Religionsstifter Siddhartha Gautama über Bodhidharma, der den Zen einst von Indien nach China brachte, bis in unsere Tage. Und einen kleinen Einblick in die buddhistische Lehre vom Leiden und seiner Überwindung. Wie bei den Angeboten zuvor war das Interesse der Zuhörer groß.

Am Schluss der gesamten Veranstaltung gab es viele positive Rückmeldungen. Von Anfang bis Ende herrschte spürbar ein offener, achtsamer Geist.

Auch die Mitglieder der Zen-Gemeinde waren sich einig, dass die Feier zu Buddhas Geburtstag rundum gelungen war. Sicherlich nicht die letzte Veranstaltung dieser Art im Eiho-Ji Zen-Tempel …

Jakushitsu Genko  

Gründer des Eigen-Ji Rinzai Zen-Ordens 

Das Tempelkloster Eigenji, kurz nach Beginn der Muromachi Zeit gegründet (1361), besteht nach einer wechselreichen  Geschichte bis heute fort und kann als exemplarisch für die  Rinka-Klöster der Rinzai-Schule angesehen werden. In einiger  Entfernung von der Hauptstadt Kyoto gelegen, atmet das  Kloster die Atmosphäre der Klöster „unter dem Wald“ (rinka),  deren Einfachheit das Zen auf dem Lande charakterisiert.  Täglich schauen die Mönche Berge und Wasser, Vögel und  Wald, die Natur bietet ihnen Heimat.  

Im Eigenji lebt das Andenken an den Gründermönch  Jakushitsu Genko (1290-1367) fort, nicht bloß in der für ihn  erbauten Gedenkstätte, auch der Geist des feinfühligen, mit  reicher dichterischer Begabung beschenkten Mannes, der Ernst  und Verantwortungssinn mit inniger Naturliebe verband und das  Zen konsequent lebte, wurde durch die Jahrhunderte  unversehrt bewahrt. Einige seiner zahlreichen Gedichte sind  heute noch lebendiges Volksgut.  

Jakushitsu verkörpert den Geist des Rinka-Zen. „Der Mann des  Rinka-Zen“, schreibt ein zeitgenössischer japanischer Zen Dichter, „wandert mit seiner Flöte über die Berge, wohnt in  stillen, kleinen Tempeln, in Zen-Klausen, Einsiedeleien und  Strohhütten“. Dieser Lebensstil entsprach dem Temperament  und den Herzenswünschen des Jakushitsu. Er ist ihm treu  geblieben bis wenige Jahre vor seinem Tode, als er in dem für  ihn erbauten Tempelkloster Eigenji im Lande Omi (Bezirk Shiga)  Wohnung nahm, ohne für sich Besitzrechte zu beanspruchen.  Er hat keine Traktate und nur wenige Mahnworte hinterlassen.  Das Zen bedeutete ihm die existentielle Erfahrung der Größe  dieses Menschenlebens in seiner Vergänglichkeit. Geburt und  Tod klären, ist nach seiner Überzeugung die eine große  Angelegenheit, die dem Zen-Mann obliegt. Darüber redete er  wenig, aber in der Waldeinsamkeit sah sein Auge die Symbole  des Vergänglichen, das nur ein Gleichnis ist. 

Das Leben des Jakushitsu Genko, eines der bedeutendsten  Vertreter des Zen-Buddhismus seiner Zeit, verdeutlicht in  besonderer Weise das Charakteristische des Rinka-Mönches.  Zugleich treten, da Jakushitsu keineswegs aus einem zu  solcher Lebensweise hinneigenden Milieu stammt, die  Entwicklungsphasen seiner Persönlichkeit während seines  Lebensweges hervor. Im Lande Mimasaku (Bezirk Okayama)  geboren, ist er väterlicherseits wahrscheinlich mit der weit  verzweigten Fujiwara-Familie verwandt. Der geweckte Knabe  war ein sensibles Kind von eher weichem Charakter, folgsam  und intelligent. Die Eltern gaben ihn zwölfjährig ins  Tempelkloster Tofukuji in Kyoto, nicht dem persönlichen  Wunsch oder religiösen Verlangen des Knaben folgend,  sondern um diesem eine gute schulische Ausbildung zu  sichern. Diese schien, bezeichnend für die Zeitlage, im  buddhistischen Kloster am besten gewährleistet.  

Jakushitsu kam also zunächst als Student ins Kloster, aber  schon nach zwei Jahren erfuhr er eine innere Wende, als ihn  bei einem Landaufenthalt die tiefe Sammlung eines Zen Mönches, der aus dem Ostland heimkehrend auf der  Durchreise im Tempel weilte, aufs tiefste beeindruckte. Er trat in  den Mönchsstand ein, weil er begriff, dass Schriftkenntnis und  Gelehrsamkeit nicht genügen. Damals erzählte ihm ein  Mitmönch, den der Studienbetrieb im Tofukuji ebenfalls nicht  befriedigte, vom Zen-Meister Jakuo Tokken (1245 – 1320),  einem hervorragenden Schüler des Lan-Hsi Tao-lung, der dem  Zenkoji, einem von Lan-hsi gegründeten kleineren Kloster in  Kamakura vorstand. Sollten sie nicht diesen Meister aufsuchen,  um echtes Zen bei ihm zu erlernen? Unverzüglich machten sich  beide auf den Weg und erlangten die Aufnahme in die  Jüngerschaft des Jakuo Tokken (1305). Als dieser im folgenden  Jahr als Abt des Kenninji nach Kyoto berufen wurde, folgte ihm  Jakushitsu, leistete ihm bei Erkrankungen persönliche Dienste  und ließ sich von ihm in der Zen-Übung unterweisen. Eines  Tages bat er den Meister um ein „letztes Wort“ (matsugo). Der  Ausdruck ist zweideutig und kann sowohl das Abschiedswort  eines sterbenden Meisters als auch ein Kennwort zur 

Erlangung der Erleuchtung bedeuten. Der Meister antwortete  kein Wort, sondern schlug seinem Jünger mit der flachen Hand  ins Gesicht. Der Schlag löste in diesem die Erleuchtung aus  (1306).  

Auf den Rat seines Meisters studierte Jakushitsu unter der  Führung des Vinaya-Meisters E’un einige Monate die  buddhistische Mönchsregel (1309), dann kehrte er zu Yakuo  zurück. Viele Jahre des folgenden Jahrzehntes seines Lebens  verbrachte er bei chinesischen Meistern in Japan, denen er  freundliche Hilfe leistete. Zuerst diente er im Kenchoji bei Tung ming Hui-jih (1272-1340), einem Vertreter der chinesischen  Ts’ao-tung-Schule, der sich in Japan dem Rinzai-Zen  angeschlossen, dann bei Tung-li Hung-hui, der ebenfalls vom  Ts’ao-tung-Zen zur japanischen Rinzai-Schule übergewechselt  hatte.

Am bedeutsamsten ist sein zweijähriger Aufenthalt bei I shan I-ning, dem Abt des Nanzenji. Der erstklassige Literat war  schon von dem Gedicht des erst 17jährigen Jakushitsu  „Bodhidharma im Schnee“ begeistert gewesen und hatte mit  seinem Lob nicht gespart. Nun förderte er in jeder Weise das  Talent seines Schülers. Jakushitsu wurde einer der  bedeutendsten Zen-Dichter der Epoche. Seine Gedichte  zeugen von reichen und tiefem Gefühl und von ungewöhnlicher  schöpferischer Kraft. Nach dem Urteil des Herausgebers und  Übersetzers Iriya Yoshitaka übertreffen seine „außerordentlich  hervorragenden Werke“ die in der Form makellosen, jedoch der  Tiefe ermangelnden poetischen Erzeugnisse des  zeitgenössischen hochberühmten Gozan-Dichters Chugan  Engetsu (1300-1375). Die Gedichte des Jakushitsu Genko  bilden den größeren Teil seiner Spruchsammlung.  

Eine Wende im Leben des Jakushitsu brachte die Chinareise,  zu der er im Todesjahr seines Meisters Yakuo mit einer Gruppe  von Zen-Mönchen aufbrach. Sein erstes und wichtigstes Ziel  war der Besuch des Japanerfreundes Chung-feng Min-pen, zu  dem er nicht als irgend ein Gast, sondern in der Haltung des  um Führung bittenden Jüngers kam. Er wurde in seiner  Erwartung nicht enttäuscht. Der große chinesische Meister  prägte ihn für sein Leben. Was Jakushitsu in späteren Jahren seinen Jüngern übermittelte, ist das Echo der Lehre des Ming pen, reines Zen.  

Wenn bei den chinesischen Zen-Meistern gegen Ende der  Sung-Zeit und am Anfang der Yüan-Periode die Amida Verehrung einen Platz einnimmt, so bedeutet dies keine  Beeinträchtigung der Grundhaltung des Koan-Zen. Einmal ist  zu bedenken, dass der Buddha Amitabha (jap. Amida) wie alle  Buddhas von frommen Buddhisten verehrt wird. Jakushitsu’s  Spruchsammlung enthält einen Abschnitt mit Lobpreisungen  der Buddhas. In zwei Gedichten, die Amida betreffen, wird  deutlich gesagt, dass das Reine Land nicht in einem westlichen  Paradies, sondern im eigenen Geist zu suchen ist.

So muß  auch der folgende Passus aus den Dharma-Worten des  Jakushitsu verstanden werden:  

Das Nembutsu strebt dem Kreislauf von Geburt und Tod zu  entrinnen, die Zen-Übung zielt die Klärung der ursprünglichen  Natur an. Dass jemand, der die ursprüngliche Natur in der  Erleuchtung erfaßt hat, dem Kreislauf von Geburt und Tod nicht  entronnen ist, wurde niemals vernommen. Auch hat, wer dem  Kreislauf von Geburt und Tod entronnen ist, die eigene  ursprüngliche Natur nicht verloren. Also sind Nembutsu und  Zen-Übung zwar dem Namen nach verschieden, jedoch in  ihrem Wesen gleich.  

Nembutsu und Zen-Übung haben einen gemeinsamen Grund in  den Mahayana-Sutren. Dies gestattet, richtig verstanden, das  Zusammengehen der zwei buddhistischen Wege. Das Zen des  Jakushitsu wurzelt wie das des Ming-pen in der Tradition des  Sechsten Patriarchen Hui-neng. Der Ausdruck „Verbindung von  Zen und Reinem Land“, der mit Bezug auf die beiden Meister  öfters gebraucht wird, bezeichnet nicht, „wie aus dem Wort  geschlossen werden könnte, Gemeinsamkeit oder synthetische  Vereinigung“.  

Jakushitsu weilte sechs Jahre in China (1320-1326). Während  des ersten Jahres lernte er als ein Schüler bei Ming-pen auf  dem T’ien-mu-Berg. Er blieb noch weitere fünf Jahre im Reich der Mitte, um berühmte Tempel zu besuchen, mit erfahrenen  Meistern Gespräche zu führen und um sich mit dem  chinesischen Brauchtum bekannt zu machen. Wir wissen die  Namen vieler buddhistischer Stätten, die er besuchte. Das  Wanderleben machte ihm Freude und schenkte ihm innere  Bereicherung. In seinen Gedichten schildert er nicht selten die  Eigenart und Schönheit der chinesischen Landschaft.  

In Japan setzte er nach seiner Rückkehr diese Lebensweise  fort. Er wanderte 25 Jahre lang durch Südwestjapan,  vornehmlich in den Ländern Bizen und Bitchu (Bezirk  Okayama) und in Bingo (Bezirk Hiroshima). Gelegentlich suchte  er auch sein Geburtsland Mimasaku (Bezirk Okayama) auf.  Biographische Angaben nennen wieder viele Tempelnamen,  ohne auf Einzelheiten einzugehen. Der Dichtermönch liebte das  einfache Leben der Landklöster, tauchte tief in die Einsamkeit  der Natur ein und fand sein geistiges Genügen in stiller Rast  am Berghang oder bei einer Bachquelle. Eine Ausstrahlung  ging von ihm aus, die gleichgesinnte Zen-Freunde zu ihm  hinzog.  

Einen Einschnitt in sein Wanderleben brachte sein Abschied  von den Ländern Bizen, Bitchu und Bingo, als er sich nach   25 Jahren unsteten Umherstreifens nach Nordosten wandte  (1350). Ungefähr drei Jahre lang (um 1352) hielt er sich im  Tozenji im Lande Mino (Bezirk Gifu) auf. Eine Reise brachte ihn  nach Shizuoka und ins Land Kai (Bezirk Yamanashi). Als er die  Richtung nach Westen einschlug, kam er ins Land Omi (Bezirk  Shiga), wo der Schutzherr (shugo) Sasaki Ujiyori (1326 – 1370)  eine herzliche Zuneigung zu ihm faßte. Er ließ für den alten  Meister das Tempelkoster Eigenji erbauen (1361).

Jakushitsu  bedauerte zwar, nun sein freizügiges Wanderleben aufgeben zu  müssen, fügte sich indes den Wünschen seiner Freunde. Als  Abt des Klosters entfaltete er eine bedeutende Tätigkeit. In  einem Jahr sollen bis an die zweitausend Besucher zum  Tempel gekommen sein. Wie wenig Jakushitsu an der  Abtswürde hing, zeigte er, als er schon nach fünf Jahren zu  Gunsten seines Hauptjünger Miten Eishaku von seinem Amt  abdankte (1366). Zuvor hatte er die Berufung der zwei berühmten Gozan-Tempel Tenryuji (Kyoto) und Kenchoji  (Kamakura) abgelehnt.

Zwei kleinere, ebenfalls unter  Regierungsschutz stehende Tempel Choshoji (Kamakura) und  Manjuji (im Land Bungo) hatten sich bereits in früheren Jahren  vergeblich bemüht, ihn zum Vorsteher zu erhalten. Die  Ablehnung solcher Ersuchen erfolgte aus tiefer Überzeugung.  Obgleich der Name des Jakushitsu Genko weniger bekannt ist  als der berühmter zeitgenössischer Meister in den japanischen  Hauptstädten, rechnet er doch zu den bedeutenden Zen Männern der Epoche. Sein Leben als armer, einsamer  Wandermönch, das er Jahrzehntelang durchhielt, macht ihn zu  einer buddhistischen Idealfigur, wie sie in der Frühzeit nicht  selten vorkamen.

Sein Testament bezeugt seine völlige Losschälung, wenn er seinen Wunsch mitteilt, die dem Kloster  geschenkten Ländereien von Kumahara möchten nach seinem  Tode dem Geber zurückerstattet, die Tempelgebäude aber der  Ortschaft Takano, zu der sie gehörten, übermacht werden,  wenn man sie nicht lieber als eine Übungsstätte für Zen Mönche benutzen wolle. Sein konsequenter Lebensstil,  insbesondere seine Abneigung gegenüber dem Glanz und  Pomp prachtvoller Tempelbauten, seine Zurückweisung  ehrenvoller Positionen und seine Entäußerung von materiellen  Gütern, erweist seinen echten Zen-Geist.

Auf den Spuren des Zen (I)

Das japanische Wort „Zen“ (chinesisch „Chan“, die Übersetzung aus dem Sanskrit „Dhyana“) bedeutet Meditation und ist der Name der in China entstandenen Meditationsschule des Mahayana-Buddhismus. Doku Ho Meindl zeichnet den  Zen Weg von seinen Anfängen bis zum Eintritt in die westliche Welt nach. 

Zen-Buddhismus

Erstens und vor allem ist die Zen-Schule ein hervorragender Zweig innerhalb des Buddhismus. Der Zen-Buddhismus führt seine Entstehung in gerader Linie auf Sakyamuni Buddha, den Begründer des Buddhismus zurück. Auch wirken yogische Wurzeln in die Meditationsschule des Zen-Buddhismus hinein. Siddhartha Gautama, wie der Buddha vor seiner Erleuchtung hieß, wurde als Sohn eines nordindischen Königs ca. 500 v.u.Z. geboren. In seiner Jugend wuchs er im Luxus des väterlichen Palastes auf. Als er mit dem Leid dieser Welt direkt konfrontiert wurde, war er innerlich so von Schmerz erfüllt, dass er den Palast verließ und in verschiedenen Meditationswegen und asketischen Praktiken einen Weg aus dm Leiden suchte.

Viele von uns, die wir in der so genannten Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen sind und erkennen können, dass das reine Streben nach Reichtum nicht wirklich ein Weg aus dem Leid sein kann, vermögen vielleicht tief in unserem Herzen diesen Entschluss von Siddhartha Gautama zu verstehen. 

Den Überlieferungen zufolge fasste Sakyamuni Buddha den Weg aus dem Leiden in den Vier Edlen Wahrheiten zusammen: 

  1. Dukkha, das Leben ist Leiden: Geburt ist Leid, Altern ist Leid, Krankheit ist Leid, getrennt sein von dem, was man liebt, ist Leid und zusammen sein mit etwas, das man nicht mag, ist Leiden.   
  2. Samdaya, die Ursache des Leidens erwächst aus „Trishna“, dem unstillbaren Verlangen, dem Getriebensein, das immer wieder in uns aufkommt.
  3. Nirodha, das Ende des Leidens ist das Erlöschen des Durstes, die Befreiung von Leid, Nirvana, Sein in der Wirklichkeit des Moments.
  4. Magga, der Weg aus dem Leiden. Dieser ist bekannt als der „Mittlere Weg“, welcher beide Extreme, einerseits das Suchen der Zufriedenheit in sinnlichen Wünschen, andererseits den Weg der Selbstkasteiung vermeidet.

Der Buddhismus in China

Dieser Weg aus dem Leid wird im Achtfachen Pfad genauer beschrieben. Dieser Pfad der Selbstverwirklichung gibt Anweisungen für den „richtigen Weg des Lebens“, für „Mahdyamika“, einen Weg jenseits gegensätzlicher Extreme. Nach dem Tod Sakyamuni Buddhas gewannen seine Lehre und seine Praktiken rasch Anhänger. Es entstanden unter den vielfältigen Interpretationen des Dharma, der Lehre, verschiedene Richtungen, aus denen sich letztlich zwei bedeutende Schulen herausbildeten, die des Theravada und die des Mahayana.

Der Theravada verbreitete sich mehr in Südostasien. Der Mahayana weitete sich über große Teile Zentralasiens nach Nepal, Tibet, China, Korea, Vietnam bis Japan aus. So kam der Buddhismus in Berührung mit verschiedenen Völkern und Kulturen, die Buddhas ursprüngliche Lehre mit ihren eigenen Traditionen verwoben. Etwa zur gleichen Zeit, als Sakyamuni Buddha durch sein Erwachen und seine Lehrtätigkeit die Grundlage des Buddhismus legte, lebte in China Kongzi, der eine wichtige Tradition des chinesischen Denken und Handelns, den Konfuzianismus, begründete.

Die Schriften die Laozi und Zhuangzi zugeschrieben wurden, entstanden in derselben Epoche und aus ihnen formte sich der Daoismus. Als nun der Buddhismus im 1. Jh.u.Zt. nach China gelangte, traf er auf einen Boden des Denkens und Handelns, der von den beiden oben erwähnten weltanschaulichen Richtungen schon durchtränkt war. Der Konfuzianismus hatte sein Augenmerk mehr auf Fragen des gesellschaftlichen Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen gelegt. Der Daoismus befasste sich hingegen mehr mit den metaphysischen Aspekten des Lebens, wie der Transzendenz vom Ich und dem Erlangen „höherer“ Ebenen des Bewusstseins.

Diese beiden Richtungen wurden im chinesischen Empfinden stets als komplementär verstanden, als zwei Aspekte der menschlichen Natur. Der chinesische Weise vereinte in sich diese zwei Seiten, zurückgezogene Betrachtung und sozial verantwortliches Tun. Obwohl er einen Zustand mystischer Einheit mit dem Universum erreicht hatte, lebte er doch nicht abgehoben von der Welt, sondern befasste sich gleichermaßen mit den ganz gewöhnlichen Belangen des täglichen Lebens.

nkulturellen und sozialen Hintergrund stieß nun der Buddhismus, der am Anfang unserer Zeitrechnung erstmals nach China gelangte. Im 2. bis 3. Jh. wurden immer mehr Übersetzungen von Texten aus dem Sanskrit unter der Verwendung von daoistischen Begriffen erstellt. Meditation spielte eine immer wichtigere Rolle im chinesischen Buddhismus. Im Jahr 148 begann der Meditationstrend im chinesischen Buddhismus, welcher sich alsbald mit daostischen Techniken vermischte. Es überwogen von dem Mönch an Shi Gao übersetzt Texte, über Dhyana (Meditation) und Samadhi (Versenkung).

Das „Sutra über Versenkung durch Atemregelung“ erklärt die uralte yogische, früh im Buddhismus beheimatete Übung der Atemkontrolle durch Zählung des Ein- und Ausatmens. Sie ist auch heute noch die einführende Grundübung der Zen-Meditiation.

Weiterlesen: Ursprung in China

Ursprung des Chan (Auf den Spuren des Zen II)

Der Mönch Tao Sheng (360-434) ist wegen seiner Lehre von der „Plötzlichen Erleuchtung“ ein wichtiger Wegbereiter des Chan, doch die eigentliche Begründung der chinesischen Zen-Tradition wird Bodhidharma (470 – …) zugeschrieben.

Es soll, als er nach China kam, zu einer historischen Begegnung mit dem Kaiser Wu gekommen sein:

Der Kaiser fragte: „Welchen Verdienst habe ich dadurch erworben, dass ich seit meiner Thronbesteigung zahllose Tempel errichten, Sutren abschreiben und Mönche weihen ließ?“

Der Meister sprach: „Gar keinen Verdienst.“

Der Kaiser sprach: „Was ist denn wahrer Verdienst?“

Der Meister sprach: „Es ist reines Wissen, wunderbar und vollkommen. Sein Wesen ist Leere. Solchen Verdienst kann man nicht mit weltlichen Mitteln erlangen„

Darauf fragte der Kaiser: „Welches ist das Prinzip der heiligen Wahrheit?“

Der Meister sprach: „Offene Weite, nichts von heilig.“

Der Kaiser sprach: „Wer ist es, der vor mir steht?

Der Meister sprach: „Ich weiß es nicht“.

Danach zog sich Bodhidharma in das Shaolin-Kloster in den Bergen zurück, und es wird behauptet, dass er neun Jahre lang in einer Höhle oberhalb des Klosters meditierte. Den Ausdruck des ursprünglichen Zen-Geistes spiegelt eine berühmte vierzeilige Strophe wieder, die Bodhidharma zugeschrieben wird:

Eine besondere Überlieferung außerhalb der Schriften, unabhängig von Worten und Schriftzeichen: Unmittelbar auf des Menschen Herz zeigen – dessen Natur schauen und Buddha werden.

Bodhidharma lehrte seinem Schüler Hui Ke die Chan-Meditation nur nach dessen langem Ausharren, wie die Legende berichtet: Manche Schriften behaupten, dass er die ganze Zeit über vor einer Wand saß, andere Quellen sprechen von der „Wandkontemplation“ (Piguan):

„Wenn dein Geist wie eine geradestehende leere Wand ist, magst du in den Weg eintreten.“

Hui Ke (jap. Eka) gelangte unter Einsatz seines Lebens und mit Hilfe von Bodhidharma zur unmittelbaren Einsicht in den Geist des Zen und wurde so sein direkter Erbe durch die unmittelbare Weitergabe von Herz zu Herz und zweiter Patriarch des Chan. Von dieser Zeit an breitete sich die sehr praxisorientierte Chan-Bewegung weit über das ganze Land aus und gewann eine große Schar von Anhängern.

Hui Ke selbst lebte von 484 bis 590. In seiner Jugend hatte er daoistische, konfuzianistische und buddhistische Weisheitslehren studiert. Er führte ein langes Wanderleben und musste sich zeitweise wegen der Verfolgung der Buddhismus durch das damalige Regime (574) in den Bergen verstecken. Ein Passus in seiner Biographie schließt mit dem folgenden:

„Der wahre verborgene Grund ist schließlich die Nicht-Verschiedenheit.“

Seng Zan (gest. 606) war der Dritte in der Nachfolgelinie des chinesischen Zen. Er erlangte das Dharma-Siegel von Hui Ke, unter dem er sich über Jahre übte. Ihm wird die „Meißelinschrift des gläubigen Geistes zugeschrieben“.

Im Dharma-Reich der wahren Soheit ist kein anderer und kein ich.

Plötzlich mit kurzem Wort sag nur: nicht zwei.

Nicht zwei alles gleich.

Die Wahrheit kennt kein schneller und kein weiter. Ein Augenblick – zehntausend Jahre. Das Kleinste ist gleich dem Großen, keine Grenzen außen.

Das Größte ist gleich dem Kleinen, keine Grenzen erschaubar.

Auf Seng Zan folgte der vierte Patriarch des Chan Tao Xin (580 – 651). Zu dessen Zeit setzte eine Wandlung im Lebensstil der Chan-Jünger ein. An die Stelle des Umherwanderns trat ein Gemeinschaftsleben mit bis zu 500 Mönchen. Auch begann nun die Zeit, von der an die Mönche von ihrer eigenen Hände Arbeit lebten, was im Theravada Südasiens früher und bis heute noch nicht praktiziert wird. Die Bewahrung der inneren Haltung nicht nur beim Hocken in der Meditationshalle, sondern auch beim täglichen Arbeiten begründen den Zen-Geist, Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen sind in gleicher Weise Chan. Der Kern des Meditationsstils von Tao Xin wird ausgedrückt mit den Worten:

„Buddha ist Geist. Außer dem Geist gibt es keinen Buddha.“

Die Chroniken bezeichnen Hong Ren (607 – 674) als Tao Xins Nachfolger im Patriarchat. Er übte sich mit vielen Jüngern in den Meditationspraktiken seines Vorgängers. Es ging ihm darum, den Geist in der ursprünglichen Reinheit zu bewahren und den Moment des plötzlichen Erwachens zu erreichen.

Der fünfte Patriarch soll seine Jünger gelehrt haben:

„Schau weit, wo der Horizont jenseits des Himmels erlischt, das Schriftzeichen „Eins“. Dies wird bestimmt nützen. Es ist gut, wenn Anfänger in der Meditation, deren Geist viel zerstreut ist, in ihrem Geist auf das Schriftzeichen „Eins“ blicken. (Die Eins ist eine horizontale Linie ist und symbolisiert auch das Eine).

Nord- und Südschule (Auf den Spuren des Zen III)

Eines Tages rief der fünfte Patriarch seine Schüler zusammen und befahl ihnen einen Vers zu dichten, der den Grad ihrer Erleuchtung anzeigen sollte: „Sollte einer dabei sein, der zum „Großen Sinn“ erwacht ist, wird dieser mein Gewand bekommen und mein Nachfolger werden.“ Die Mönche überließen die Aufgabe dem Hauptmönch Shen Xiu, der folgendermaßen antwortete:

Der Leib ist der Baum der Erleuchtung. Der Geist gleicht einem klaren Spiegel.
Müh dich, ihn alle Zeit abzuwischen!
Lass kein Staubkorn sich darauf ansetzen.

Als Hui Neng, der nur im Kloster arbeitete, Reis stampfte und Brennholz sammelte, von dem Vers hörte, ließ er von einem Mönch – er selbst war Analphabet – einen Vers schreiben:

„Es gibt ursprünglich keinen Baum der Erleuchtung,
noch einen Ständer mit klarem Spiegel,
von Anfang an existiert nicht ein einziges Ding.
Wo kann sich ein Staubkorn ansetzen?“

Die Nordschule wurde von Shen Xiu (606 – 706), der wichtigsten Persönlichkeit dieser Tradition, vertreten. Er erhielt das Dharma-Siegel des fünften Patriarchen, Hui Ren. Seine Übungen beruhten auf der Lehre, das Ziel in der Reinigung der ursprünglichen lauteren Geistesnatur von allen Trübungen zu erreichen.

Die Südschule wurde von Hui Neng (638 – 713) vertreten, der als der sechste Patriarch in die Geschichte des Zen einging. Er war anfangs kein ordinierter Mönch, sondern hatte nur inoffizielle Begegnungen mit Hong Ren. Aber nachdem der Meister das oben angeführte Gedicht von Hui Neng gelesen hatte, rief er ihn des Abends und übergab ihm das „Dharma der plötzlichen Erleuchtung“ und sein Gewand mit den Worten: „Ich mache dich zum sechsten Patriarchen.“ Der Dharma wird von Geist zu Geist überliefert. Jedoch befahl er Hui Neng, das Kloster unverzüglich zu verlassen und nach Süden aufzubrechen.

Nach dem Tod von Hui Neng und durch die Bemühungen seines Schüles Shen Hui wurde die nachträgliche und offizielle Bestätigung von Hui Neng als sechsten Patriarchen anerkannt. Ein Auszug aus dem Erleuchtungsvers des sechsten Patriarchen:

„Im Zustand der Trübung ist Buddha ein Sterblicher,
erleuchtet ist ein Sterblicher Buddha.“

Die fünf Häuser des Chan

In der Zeit nach Hui Neng vom 8. – 13 Jh. entwickelte sich der Chan zu neuer Blüte. Es entstanden die fünf Häuser, welche als unterschiedliche Stilarten anzusehen sind, die sich wie von selbst aus der Art der Unterweisung im Kreis der Meister ergaben.
Diese waren die Richtung von Lin Ji (jap. Rinzai). Cao Dong (jap.Soto), Yun Men (jap. Unmon). Kui Yang (jap. Ikyo) und Fa Yan (jap. Ho Gen).

Lin Ji lebte in der Zeit nach dem sechsten Patriarchen bis 866. Der nach ihm benannte Rinzai-Zen erfreut sich heute in Japan und auch im Westen einer großen Bekanntheit. Seine Lehrreden sind uns bis zur heutigen Zeit als „Rinzairoku“ erhalten. Hier ein Auszug aus einer Lehrrede von Lin Ji an seine Jünger:

„Jünger des Weges! Alle erlauchten Alten besaßen Mittel für die Rettung der Menschen. Wie ich es euch zeige, sollt ihr euch nicht von anderen verwirren lassen. Wenn ihr handeln wollt, handelt! Zögert nicht! Wenn ihr nicht an euch selbst glaubt, so taumelt ihr in allen Umständen hin und her, von tausend Dingen im Kreis gedreht und könnt nicht zur Freiheit gelangen. Wenn ihr den von Augenblick zu Augenblick rastlos kreisenden Geist zur Ruhe bringen könnt, seid ihr vom Patriarchen Buddha nicht verschieden. Wünscht ihr den Patriarchen Buddha zu wissen? Das seid ihr, die ihr jetzt vor mir sitzt und meiner Predigt zuhört.“

Der Name des Hauses Cao Dong (Soto), ist aus den Schriftzeichen der beiden Gründer Dong Shan Liang Qie (807-859) und Cao Shan Ben Chi (840-901) zusammengezogen. Sie sind die Begründer der „Soto Richtung des Zen“, welche heute noch weit im Osten verbreitet ist und der auch immer mehr Suchende im Westen folgen. Dong Shan folgte dem Meister Yun Yan. Nach den Lehrjahren nach Verlassen seines Meisters erblickte er seinen eigenen Schatten im Wasser und schrieb folgenden Vers:

„Suche nicht anderswo! Wenn du suchst, entfernst du dich nur mehr. Jetzt, da ich ganz alleine gehe, begegne ich ihm überall. Er ist jetzt genau, was ich bin. Aber ich bin nicht es???

So muss man verstehen, dann ist man eins mit dem wahren So.“

Cao Shan Ben Chi war Schüler von Dong Shan und führte die Tradition der Soto-Linie weiter.

Yun Men Wen Yan (jap. Unmon Bunen, 864-949), ein Gigant unter den Meistern seiner Zeit, war der Gründer der nach ihm benannten Yun Men Richtung. Viele Koan Sammlungen beinhalten seine Anekdoten. Es war Yun Men’s Stil seine Jünger mit Stockhieben zu unterweisen und durch Andonnern zu erschrecken, um plötzlich in den Moment der Wahrheit einzubrechen.

Als er von einem Mönch gefragt wurde, was der Zugang zur Wahrheit ist, erwiderte er: „Suppe trinken, Reis essen“. Ihm waren alle Mittel recht, dass seine Schüler alle Vorstellungen von der „Wahrheit“ abschüttelten und ihm in das Reich der grenzenlosen Freiheit des Zen-Geistes folgten.
Das Haus Kui Yang wurde von Bai Zhang und seinem Schüler Kui Shang Ling You (771-853) gegründet. Eine berühmte Zen-Geschichte erzählt von Xiang Yan, einem Schüler von Kui Shang, der zur Erleuchtung erwachte, als er eines Tages beim Jäten von Unkraut ein plötzliches Aufschlagen eines Steines auf Bambus hörte. Hier ein Auszug aus seinem Erleuchtungsvers:

„Ein Schlag und all mein Wissen ist vergessen. Kein Flickwerk mehr von Zuflucht und Besserung. Kein Rückfall in verzagtes Treiben mehr. Ich trete nirgends in die Spur von anderen.“

Das Haus Fa Yan entstand als letztes der fünf Häuser und sein Bestehen war nur von kurzer Dauer. Der Gründer Fa Yan Wen Yi (855 – 958) wurde für seine psychologische Einsicht gerühmt. Trotz der hohen Bildung Fa Yans kam sein Stil voll zur Geltung, wie folgender Dialog veranschaulicht:

Einer seiner Schüler stellte die Frage: „Was soll man während der zwölf Stunden des Tages und der Nacht tun?“ Der Meister erwiderte: „Jeder Schritt soll auf diese Frage treten.“

Das Koan

Das Koan, ein spezifisches Hilfsmittel auf dem Erleuchtungsweg, wurde während der Song-Dynastie (960-1279) ausgeformt. Dem Wortsinn nach bedeutet Koan „Rechtsfall“. Die paradoxen Worte und merkwürdigen Taten, die zwischen Meister und Schüler entstanden, sind in verschiedenen Koan-Sammlungen aufgezeichnet und werden auch heute noch in den Schulungen des Rinzai-Zen verwendet. Wesentlich für das Koan ist, dass es rational unlösbar ist und in den Bereich des Irrationalen verweist. Das Koan zwingt, die Bahn des rationalen Denkens zu verlassen und über die gewöhnliche Bewusstseinslage hinaus zu schreiten, um in einer neuen Dimension eine grundlegende Erfahrung zu machen. Ein wichtiges Koan, das auch oft am Anfang einer Zen-Ausbildung steht, heißt: „Wie bist du am Tage deiner Geburt?“

Diese Frage wirft den Zen-Schüler auf sein eigenes ursprüngliches Herz zurück. Das Koan beabsichtigt das Durchbrechen der Mauern des Geistes und das Übersteigen seiner Begrenztheit in die absolute Freiheit. Das Mumonkan, eine der bedeutendsten Koan-Sammlungen aus der Endphase der Song-Zeit, wird noch heute in den Zen-Klöstern zur Unterweisung der Mönche verwendet.

Der chinesische Buddhismus bahnte sich schon sehr früh den Weg in seine Nachbarländer Korea, Vietnam und Japan. Auch kamen Mönche der verschiedenen Länder nach China, um ihre Einsicht in den Buddhismus zu vertiefen und sich unter chinesischen Meistern zu üben.
Nach Korea gelangte der Buddhismus im Jahre 373 durch den Mönch Sundo. Seit dieser Zeit begann der Buddhismus in Korea zu blühen und wurde vom königlichen Haus gefördert. Der Zen wurde schon im Jahre 630 eingeführt. Von Korea kam der Buddhismus im Jahre 552 nach Japan an den kaiserlichen Hof in Nara.

Der japanische Mönch Dosho (598 – 670) hatte bei seiner Chinareise Kontakt mit einem Schüler des zweiten Zen-Patriarchen Hui Ke und errichtete in Nara die erste Zen-Halle auf japanischen Boden. Er begründete keine Überlieferungslinie im Zen, lehrte aber vielen Menschen die Zen-Meditation.